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Es geht in die Karibik

Die Atlantik Überquerung der Pamina

Am Mittwoch waren wir dann endlich fertig, alle Einkäufe waren verstaut und wir hatten gemeinsam eine gründliche Sicherheitseinweisung durchgeführt. Immerhin waren wir ja jetzt eine komplett neue Crew. Wobei naja Lea und Becci sind ja so neu nicht. Schließlich sind wir ja schon ordentlich zusammen mit der Pamina gesegelt. Aber eine Atlantiküberquerung ist ja dann doch nochmal etwas anderes. Zusätzlich war außerdem für die Atlantiküberquerung Roland Fritsch zu uns gestoßen. Ich habe Roland 2019 bei einem Theorie Seminar zur Yachtmaster Ausbildung bei Clemens Stecker von der MCO in Stams in Österreich kennengelernt und als wir jetzt bei Facebook in der Gruppe „Hand gegen Koje“ jemand gesucht haben, der mit uns diesen Törn machen möchte und sich Roland gemeldet hat, habe ich mich natürlich gefreut mit jemanden zu segeln den zu mindestens ich schon kannte. Wir haben uns auf Anhieb alle prima verstanden und der ganze Törn verlief sehr schön, entspannt und angenehm harmonisch. Mit Roland kann man wirklich prima segeln! Wir haben dann von meinen Eltern Abschied genommen und sind um 16:00 Uhr in Teneriffa gestartet.

 

 

Von Teneriffa in die Karibik

Zum Schluss in Teneriffa hatten wir noch zwei wirklich intensive Tage mit Thomas dem Schweizer Segelmacher in St Miguel mit dem wir das verkürzte Großsegel auf geriggt haben und mit dem wir alle Punkte nochmals akribisch durchgegangen sind. Wir haben auch nochmal das Rigg gecheckt und einzelne Beschläge und Blöcke getauscht. Auch die Vorsegelkonstruktion und die Leinenführung für die ausgebaumten Vorsegel haben wir uns genau angesehen und das sollte sich dann auch gleich am Anfang des Törns bewähren.

Wir hatten uns einen ausführlichen Wetterbericht im Rahmen einer Törn Beratung von Wetterwelt in Kiel eingeholt und alle Daten waren nahezu optimal. Wir hatten die Wahl von Teneriffa direkt Richtung Karibik zu segeln oder aber zunächst die Kapverden anzusteuern, um von dort dann sicher im Passat Richtung Karibik zu segeln. Wir haben uns dafür entschieden zunächst Richtung Kap Verden zu fahren und dann evt. wenn alles gut laufen würde mit Erreichen der Passatwind Zone Richtung Karibik abzudrehen. So hatten wir beide Optionen.

 

Wir sind also zunächst bei angenehmen 15 Knoten Wind südwärts gesegelt und hatten wunderbar Gelegenheit uns an Bord einzuleben. Es braucht bekanntermaßen immer einige Tage, bis sich alle Crew Mitglieder an die Schiffsbewegungen gewöhnt haben und jeder noch so kleine Anflug von Seekrankheit überwunden ist. Wir hatten Glück, das wir am Anfang unseres Törns so angenehme Bedingungen geherrscht haben, so dass auch Becci, die immer mal mit Seekrankheit zu kämpfen hat nach drei Tagen komplett ein geklappert war. Von Lea müssen wir in diesem Zusammenhang gar nicht sprechen, für die ist Seekrankheit ein Fremdwort und Sie bewegt sich an Bord mit einer Selbstverständlichkeit, die uns immer wieder in Erstaunen versetzt.

 

Gleich zu Beginn des Törns haben wir unsere Passatbesegelung ausprobieren können. Dazu hatten wir neben der Genua in der Genuaschiene ein zweites genau gleiches aber vom Stoff her etwas leichteres Vorsegel geriggt. Diese beiden Segel können wir auf Amwind- und Halbwindkursen ineinander geklappt fahren und auf Raumschotts und Vorwindkursen mit zwei Bäumen ausgebaumt im Schmetterling fahren. Die Bäume werden dabei durch ein Fall, einen Niederholer und eine Vorleine gesichert und straff durchgesetzt. Sie lassen sich stufenlos reffen und sogar komplett wegrollen und das ganze elektrisch. So konnten wir auch bei 40 Knoten Wind mit diesem Setup super segeln und hatten insbesondere nachts und kräftig gerefft immer ein sicheres Gefühl. Wir hatten zusätzlich das Großsegel im dritten Reff mittschiffs stehen lassen und wären somit in der Lage gewesen jederzeit mit der Kutterfock und dann komplett eingerollten Schmetterlingssegeln einen anderen Kurs zu segeln. Die beiden Bäume hätten zur Sicherheit dann auch noch etwas höher gezogen werden können, um in keinem noch so ungünstigen Fall mit der Wasseroberfläche in Berührung zu kommen.

 

Die ersten Tage und auch die Nächte verliefen problemlos. Wir haben uns auf ein Wachsystem verständigt, bei dem Becci und Lea von 8:00 – 12:00, Sönke von 12:00 – 3:00 und Roland von 3:00 bis in die Morgenstunden Wache hatten. Dieses System haben wir bis zum Schluss beibehalten und waren alle zufrieden damit, nachdem sich alle daran gewöhnt hatten. Der Atlantik zeigte sich uns zunächst von seiner sanften Seite mit strahlend blauem Himmel, schönen Sonnenunter- und Aufgängen und Vollmondnächten. Man mochte gar nicht glauben, dass das auch ganz anders geht. Es wurde von Beginn der Reise an Bord jeden Tag lecker und frisch gekocht und man kann alles in Allem von einem idealen Start sprechen.

 

Wir haben dann am 30.01 die Entscheidung getroffen direkt nach St. Lucia zu segeln und die Cap Verden auszulassen. Ein wenig schade sicherlich, aber da wir ohnehin recht spät unterwegs sind und auf den Cap Verden wieder Covid 19 Tests angestanden hätten, schien uns bei den günstigen vorherrschenden Bedingungen das die bessere Option zu sein. Also sind wir auf 275 Grad mit dem Ziel St. Lucia eingeschwenkt. Für St Lucia hatten wir im Vorfeld alle notwendigen Papiere für Charly eingesammelt und das ist eine Geschichte für sich gewesen. Mehr dazu und zu den Erfahrungen mit unserem Bordhund dann später von Becci in einem eigenen Artikel.

 

Ab dem 3.02 bekamen wir dann wie vorhergesagt ordentlich Wind, und zwar in Bojen bis zu 40 Knoten und das bei einer Welle von bis zu 4 Metern. Das hat mit unserer Schmetterlingsbesegelung tadellos funktioniert, auch wenn wir die Spinnaker Bäume etwas hochgesetzt haben aus Sorge könnten bei der wilden Fahrt ins Wellental die Wasseroberfläche touchieren. Spitzen Geschwindigkeiten von bis zu 14 Knoten und Tagesetmale von 168 Meilen ließen uns mit offenem Mund staunen. Pamina machte sich phantastisch bei diesen Verhältnissen und durchpflügte die Wellen bzw. glitt abwechseln auf den Wellenkämmen. Wir haben uns zu jedem Zeitpunkt absolut sicher gefühlt und das bei immerhin in der Spitze 9 Beaufort. Auch wenn das ständige Rollen bei dem achterlichen Wind gerade nachts zum Schlafen in der Achterkoje eine echte Herausforderung darstellt. Ich bin noch selten so durchgeschüttelt und von links nach rechts gerollt worden, wie bei diesem Törn.

 

Mit jedem Tag, den wir weiter nach Osten unterwegs waren, wurde es immer wärmer und der Name Barfußroute bewahrheitete sich. Die Temperaturen stiegen auf bis zu 30 Grad und die Wassertemperatur auf 25 Grad. Davon konnten wir uns bei täglichen erfrischenden Duschen am Heck der Pamina mittels Pütz überzeugen.

 

Überhaupt haben wir nach ein paar Tagen einen entspannten Rhythmus im Tagesablauf gefunden und gerade Becci konnte nach Ihrer bestandenen Prüfung am 18.02 endlich auf unserer Reise ankommen. Gutes Frühstück, relaxen, Angeln, lesen, Kochen, schlafen usw. Wobei Becci den Unterricht mit Lea begonnen hat und das natürlich ganz schön viel Zeit in Anspruch nimmt. Dazu aber später mehr von Ihr. Das Ganze funktioniert aber mittlerweile nach anfänglichem Gemurre ziemlich gut.

 

Außerdem haben wir angefangen zu angeln – mit mäßigem Erfolg. Wir konnten eine schöne Goldmakrele anlanden, die wir auch gleich filetiert und verspeist haben. Aber zweimal haben uns größere Fische die Angel regelrecht zerrissen bzw. durchgebrochen. Ich vermute das nicht nur die Fische zu groß waren, sondern wir auch mit 7,5 Knoten einfach zu schnell. Hier müssen wir mal schauen, dass wir die Ausrüstung noch etwas verbessern. Schauen wir mal!

Begleitet haben uns immer wieder fliegende Fische. Elegant anzusehen, wie sie eng über die Wellenkronen fliegen. Leider landeten auch immer wieder einige an Deck und mussten von uns ins Meer zurückbefördert werden.

 

Auch die Abteilung Pleiten, Pech und Pannen hat wieder einige neue Kapitel bekommen. Leider hat wieder eine Relings Stütze den Geist aufgegeben, da wir beim Ausbaumen der Schmetterlingssegel einen Fehler gemacht haben und die Genua Schott die Stütze abgeknickt hat. Viel ärgerlicher war aber, dass wir erst das Windsegel für die Windfahnen Steuerung verloren haben, und zwar aufgrund einer fehlenden Sicherung! – einfach dämlich – und dann unerklärlicherweise die beiden geschweißten Halterungen in der Atlantik Dünnung ausgerissen sind. Das werden wir uns in St Lucia ganz genau ansehen müssen.

 

Und dann war da noch das Erlebnis mit den Wasservorräten. Wir sind eines Morgens zum Beginn der zweiten Woche aufgewacht, weil die Wasserpumpe dauerhaft lief. Also diese zunächst mal abgeschaltet und nach der Ursache gesucht. Kurzer Check der Tankanzeigen ergab alle Wassertanks leer und kein Wasser im Schiff. Also erstmal Lea verdächtigt Sie hätte abends den Wasserhahn laufen lassen. Gewagte Theorie?!. Wir haben dann den Watermaker laufen lassen und zumindest einen Tank halbwegs gefüllt. Mit Einschalten der Wasserpumpe haben wir dann festgestellt, dass der Schlauch der Außendusche geplatzt war. Schöner Sch…

Film Logbuch zur Atlantik Überquerung der Pamina im Februar 2021

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